Über uns

100 Jahre Löschzug Dörspetal
1893 – 1993
(Auszug aus der Festschrift zum 100 Jährigen des Löschzug Dörspetal)

100 Jahre sind im Rahmen der Geschichte nur ein Augenblick, im Vergleich um Leben eines Menschen oder auch für den Bestand einer Feuerwehr sind 100 Jahre eine lange Zeit. Aber welche Entwicklung liegt auf technischem Gebiet in dieser Spanne.
Die Gründer der Feuerwehr Dörspetal würden sich in unserer heutigen Welt nicht zurechtfinden, würden sie nicht verstehen. Aber der Geist der Männer, die sich damals zum Wohl der Gemeinschaft auf freiwilliger Basis zusammenfanden, um dem Nächsten in der Not zu helfen, der war der gleiche
wie heute.
Und die Feuerwehrmänner sind stolz auf diesen Geist des Idealismus, der über allen politischen und materiellen Grenzen steht und sind in die Lage versetzt, die nicht immer leichten Aufgaben zu lösen. Dieser Geist muss gerade in der heutigen egoistischen Zeit, einer Zeit ohne Ideale, hochgehalten und weitergegeben werden zum Nutzen und zum Schutze aller, die durch Feuer, Unfälle oder Naturgewalten bedroht sind. Hierzu gehörte und gehört eine dauernde Übung und Schulung, die mit der Entwicklung von primitiven Handpumpen zu modernen Löschgeräten und technisch Ausrüstungsgegenständen immer intensiver und umfangreicher wird.
Die Aufgabe des Chronisten ist es, heute zurückzublenden in die vergangene
Zeit und einen kurzen Aufriss über die Entwicklung der Wehr in diesen 100
Jahren zu zeigen.

1893 wurde in der damaligen Gemeinde Wiedenest eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Von den Gründungsmitgliedern des Löschzuges sind dem Namen nach noch Leopold Engels, Wilhelm Steup, Carl Halbach, Carl Engels, Emil Inkemann, Carl Hinkelmann und Julius Dörrenberg bekannt. Der erste Feuerwehrhauptmann (wie damals der Löschzugführer hieß) war Leopold Engels.
Als Uniform trugen die Wehrmänner seinerzeit weiße Röcke und
Schutzhelme.

Zur ersten Ausrüstung gehörte eine Handgezogene Handdruckspritze, in die das Löschwasser mit Ledereimern geschüttet werden musste. Zur Unterbringung war auf dem Bohren (heute Pernze) ein einfaches Spritzenhaus errichtet worden.

Um die Jahrhundertwende stand die Wehr unter der Leitung von Hauptmann Emil Weyland aus Wiedenest. Dieser war damals auch Ortsvorsteher und brachte Schwung in das Feuerlöschwesen. Die Schlagkraft des Löschzuges wurde durch die Ausrüstung mit einer Saug- und Druckspritze erheblich verbessert.

Der erste Weltkrieg brachte für die Entwicklung der Feuerwehr einen großen
Rückschlag. Die gesunden und jungen Kameraden wurden zum Kriegsdienst einberufen. Viele opferten ihr Leben oder kehrten schwer verwundet in die Heimat zurück. Nach dem Kriege war die Jugend nur schwer ansprechbar für die Übernahme freiwilliger humanitärer Dienste. Erst nach mehreren Bränden, bei denen das Feuer ohne besondere Organisation bekämpft werden musste, wurde das Fehlen einer schlagkräftigen Feuerwehr immer deutlicher spürbar.

1920
Am 7. Juni 1925 versammelten sich schließlich etwa 30 Bürger am Spritzenhaus, um die Freiwillige Feuerwehr wieder aufleben zu lassen. Sie wählten Albert Rothstein zum Brandmeister. Mit neuem Schwung wurde nun der Wiederaufbau des Löschzuges in Angriff genommen. Schon nach kurzer Zeit gehörten ihm 60 Mitglieder an.

Die Gemeinde und die Provinzial – Feuer – Versicherungsanstalt stellten ansehnliche Beträge zur Ergänzung der Ausrüstung zur Verfügung. Auf der Hermicke in Wiedenest wurde ein neues Gerätehaus errichtet, wo die Spritze, die Schlauchkarre und die sonstigen Ausrüstungsgegenstände untergebracht wurden. Bald danach wurden die aktiven Mitglieder mit neuen Uniformen ausgestattet, und zwar zunächst diejenigen, welche regelmäßig und pünktlich
zu den Übungen erschienen waren. Wie ernst der Dienst im Löschzug aufgefasst wurde, geht auch aus einem Beschluss hervor, wonach einem  Mitglied bei zweimaligem unentschuldigtem Fehlen die Uniform abgenommen wurde.

1930
Im Jahre 1930 bildet sich innerhalb des Löschzuges Dörspetal ein Trommler- und Pfeiferkorps; die Leitung übernahmen Josef Kamp und Alex Jung. Im gleichen Jahr wurden die bisherigen Übungsröcke durch neue blaue ersetzt.
Im Jahre 1933 fand eine Umorganisation der Freiwilligen Feuerwehr statt. Der Aufgabenbereich wurde wesentlich erweitert; zur Brandbekämpfung kamen noch viele andere Aufgaben innerhalb der Katastrophenabwehr hinzu.
In den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg wurde die Ausrüstung des Löschzuges Dörspetal weiter verbessert. 1936 erhielt er erstmalig eine Motorspritze mit einer Leistung von 400 L in der Minute und 1938 wurde ihm ein neues Gerätehaus neben der Schule in Wiedenest zur Verfügung gestellt.

1940
Der Beginn des zweiten Weltkrieges forderte eine starke Umorganisation im Löschzug. Da viele aktive Feuerwehrmänner zum Kriegsdienst eingezogen wurden, bildete Löschzugführer Rudolf Stahl einen Reserve – Löschzug aus
älteren Männern. Dieser Löschzug hat sich auch bei Kriegseinsätzen
mehrfach bewährt. Als der zweite Weltkrieg ,mit seinen verheerenden Folgen beendet war, fanden sich – anders als nach dem ersten Weltkrieg und im Gegensatz zu manchen anderen Wehren – die Feuerwehrmänner im Dörspetal bald wieder zum Dienst bereit, sobald sie aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt waren. Zwar sah sich Löschzugführer Rudolf Stahl 1946 gezwungen, aus Altersgründen als Brandmeister zurückzutreten, doch erklärte sich Kamerad Hermann Geese sofort bereit, dieses Amt zu übernehmen. In den ersten Nachkriegsjahren musste sich der Löschzug zunächst darauf beschränken, die vorhandene Ausrüstung instand zu halten. Als Zeichen der Zeit sei noch eine Eintragung im Protokollbuch erwähnt, wonach 1947 dem Löschzug 60 L Benzin entwendet wurden, die im Schulkeller in Wiedenest lagerten. Das Benzin wurde durch den Kreisbrandmeister ersetzt. Im Jahre 1949 wurde vor dem Spritzenhaus ein Schlauchmast errichtet, an dem die Schläuche nach gebrauch getrocknet werden konnten.

1950
1953 erhielt der Löschzug ein neues Motorgetriebenes Löschfahrzeug LF 8 Opel Blitz, mit dem nun Spritze und Mannschaft zum Einsatz gebracht werden
konnten. Der Löschzug war damit nicht mehr auf private Transportmittel angewiesen. Bei manchen Einsätzen waren die Kameraden allerdings so schnell, dass die Geräte aus dem Opel Blitz heraus fielen und wieder eingeladen werden mussten.

Am 22. Dezember 1955 übergab die ehemalige Gemeinde Lieberhausen
dem Löschzug Dörspetal ein neues Gerätehaus in Wiedenest neben
der Schule.

1956 übernahm Hans – Kurt Halbach die Führung des Löschzuges. Um die Schlagkraft der Wehr weiter zu erhöhen, wurde 1958 eine Sirene auf dem Gerätehaus angebracht. Nun brauchte Ernst Stoffel jun. nicht mehr mit dem Brandhorn durch die Straßen zu rennen, um die Löschmannschaft zum Einsatz zu rufen. 1965 erhielt auch Pernze eine Sirene auf dem Hause Arnold Röttger. Diese Sirene dient heute als Denkmal vor dem neuen Gerätehaus.1960 wurde die Ausrüstung durch eine zweite Tragkraftspritze mit einer Leistung von 800 L pro Minute ergänzt.

1960
Im Rahmen der auf Bundesebene eingerichteten Luftschutz – Feuerwehrbereitschaften bekam der Löschzug 1964 ein zweites Löschfahrzeug vom Typ Unimog. In diesem Voraus – Lösch – Fahrzeug wurde ein Wasservorrat von 800 L mitgeführt.
Am 4. Juni 1965 übergab die ehemalige Gemeinde Lieberhausen dem Löschzug Dörspetal ein Tanklöschfahrzeug vom Typ TLF 16; das LF8 Opel Blitz wurde der Löschgruppe Othetal überlassen. Die Schlagkraft der Feuerwehr und damit der Brandschutz für die Bevölkerung wurden durch dieses Fahrzeug – insbesondere durch den Tankinhalt von 2.400 L Wasser und die umfangreiche technische Ausstattung – beträchtlich erhöht.
1968 wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung das 75 – jährige Bestehen des Löschzuges Dörspetal gefeiert. Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde am 1 Juli 1969 die Gemeinde Lieberhausen aufgelöst. Der Löschbezirk des Löschzuges Dörspetal gehört seitdem zur Stadtgemeinde Bergneustadt.

1970
Im Jahre 1970 wurden die Feuerwehrfahrzeuge mit Funkgeräten ausgestattet
und auch die Sirene erhielt eine Funksteuerung.
Die Schlagkraft der Feuerwehr wurde dann 1973 durch die Beschaffung eines gebrauchten Mannschaftsfahrzeuges nochmals erhöht; gleichzeitig wurde ein Teil des ehemaligen Schulgebäudes zu der notwendigen dritten Garage umgebaut und im Keller des ehemaligen Schulgebäudes wurde ein Schulungsraum eingerichtet. Das MTF war aber in einem derart schlechten Zustand, dass es im April 1975 durch einen nagelneuen VW – Bus ersetzt wurde. Auch sollte einmal erwähnt werden, dass die Feuerwehr im Jahre 1974 wegen der Ölkrise keine Bewegungsfahrten mehr durchführen durfte, Feuerwehrangehörige aber trotz des Sonntagsfahrverbotes zu den Übungen bzw. Einsätzen mit dem eigenen PKW kommen konnten.

1973 konnte sich unser Löschzug einmal als „Brandstifter“ betätigen. Auf Anweisung der DB wurde der Bahnhof in Wiedenest nach anfänglichen
Schwierigkeiten abgebrannt.

1980
Im Dezember 1982 wurde das bisherige Mannschaftsfahrzeug (VW- Bus) durch einen Mercedes Bus ersetzt. Ein neuer Schulungsraum konnte 1984 in der ehemaligen Wohnung über dem Feuerwehrgerätehaus bezogen werden.
1986 war für unseren Löschzug ein sehr trauriges Jahr. Unser langjähriger
stellvertretender Zugführer Siegfried Thomas verstarb plötzlich und hinterließ eine große Lücke in unseren Reihen. 1987 fuhr eine kleine Gruppe von Kameraden nach Giengen zur Firma Ziegler, um dort unseren neuen LF 8 vom Typ Daimler Benz abzuholen. Dieses Fahrzeug wurde dann vom Stadtbrandmeister Eberhard Ölschläger am 13.09.1987 im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ übergeben und der Bevölkerung vorgestellt.
Das Unimog – Fahrzeug, das zwischenzeitlich zu einem Hilfs – Rüst – Wagen umgebaut worden war, wurde an die Löschgruppe Hackenberg abgegeben. Im März 1988 schied OBM Hans – Kurt Halbach wegen Erreichens der Altersgrenze aus dem aktiven Dienst aus und übergab die Führung des Löschzuges an HBM Ulrich Geiger.


Nach langwieriger Planung wurde 1989 im Gewerbegebiet „Schlöten“
ein neues Gerätehaus errichtet; am Richtfest (15. September 1989) nahm
auch der Innenminister des Landes Nordrhein Westfalen, Herbert Schnoor, teil.


An diesem Abend wurde dem Kameraden Manfred Engels eine ganz besondere Ehre zuteil. Er bekam für 25 Jahre Feuerwehrdienst das Feuerwehrehrenzeichen in Silber vom Innenminister persönlich überreicht.

1990
Am 19. Mai 1990 erfolgte der Umzug in das neue Haus. Offiziell wurde das Gebäude am 10. August 1990 eingeweiht und zwei Tage später bei strahlendem Sonnenschein der Bevölkerung im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ vorgestellt. 1992 wurde das bisherige Mannschaftsfahrzeug durch ein neues ersetzt; außerdem erhielt der Löschzug einen Fahrzeuganhänger mit einem Vorrat von 250 kg Löschpulver.
Für die Zukunft werden die Aufgaben der freiwilligen Feuerwehren nicht
geringer werden. Die Gefahren durch gefährliche Stoffe und Güter werden
immer größer. Da unser Löschzug im laufenden Jahr ein Fahrzeug für gefährliche Stoffe und Güter (GWG) erhalten wird, ist bereits eine Gruppe gebildet worden, die im Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gütern ausgebildet wurden. Gegenwärtig sind wir alle ein wenig stolz auf das 100 jährige Bestehen unseres Löschzuges. Auch in Zukunft werden wir uns bemühen, zum Wohl der Bevölkerung eine gut funktionierende Feuerwehr im Dörspetal zu sein.
Ihre
Freiwillige Feuerwehr Dörspetal

Die Löschzugführer
des Löschzuges Dörspetal

            1893  Leopold Engels

            1900  Emil Weyland

            1925  Albert Rothstein

            1926  Otto Rothstein

            1929  Emil Hellmig

            1931  Rudolf Stahl

            1946  Hermann Geese

            1948  Karl-Heinz Flick

            1950  Karl Schneider

            1955  Wilhelm Engels

            1956  Hans-Kurt Halbach

            1988  Ulrich Geiger

            1996  Arno Röttger